Fliegst du noch oder reist du schon?

Fliegst du noch oder reist du schon?

Diese Woche startet in unserem Kanton wieder die Schule, ein untrügliches Zeichen, dass trotz aktueller Hitzetage schon bald eine kühlere Jahreszeit Einzug halten wird. Wer den Sommer jedoch in den Herbst hinein verlängern möchte, findet im nahen Ausland verlockende Ziele. Sardinien zum Beispiel: Milde Temperaturen, leere Strände, kristallklares Wasser. Die Angebote im Netz sind zahlreich, von der zweiwöchigen Mietwagen-Rundreise bis zur All-inclusive-Strandwoche.

 

Doch eines haben sie alle gemeinsam: Die Anreise erfolgt ausnahmslos mit dem Flugzeug. Kein Reiseveranstalter, ob Hotelplan, Kuoni oder Helvetic Tours, scheint eine andere Option in Betracht zu ziehen. «In drei Stunden am Strand» verkauft sich eben gut.  Auch wirtschaftlich ist der Flug attraktiv: Kooperationen mit Bahngesellschaften fehlen und Flugkontingente versprechen höhere Margen, nicht zuletzt dank steuerfreiem Kerosin und der Mehrwertsteuerbefreiung auf Flugtickets.

 

Dabei gäbe es wunderbare Alternativen. Wer zum Beispiel im Oktober um 11 Uhr am Bahnhof Zug in den Eurocity steigt, ist ohne Umsteigen am Nachmittag in Genua. Es bleibt noch Zeit für einen Bummel durch die Altstadt, bevor es am Abend auf die Nachtfähre geht. Und mit den ersten Sonnenstrahlen erreicht man Sardinien. Der Unterschied zum Flug? Eine Nacht auf dem Meer statt in der Ferienunterkunft. Und man reist wirklich, erlebt den Übergang, spürt die Distanz und wird nicht einfach von A nach B gebeamt.

 

Hoffentlich entdecken bald auch Reiseveranstalter diese Alternativen und schaffen Angebote im Sinne von «weniger fliegen – mehr erleben». Für alle, die nachhaltiger reisen möchten. Für alle, die nicht möglichst schnell am Ziel, sondern bewusster und etwas abenteuerlicher unterwegs sein wollen.

 

Übrigens: Auf dem Deck der Fähre, mit Blick in die Sterne, lässt sich gut darüber sinnieren, warum wir den Flugverkehr eigentlich so konsequent von Steuern, Abgaben und ökologischer Verantwortung befreien. Zumal 80 Prozent der Weltbevölkerung noch nie ein Flugzeug betreten haben und gerade einmal 1 Prozent der Menschen mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen des Luftverkehrs verursachen.

 

Raphael Weiss, GLP Unterägeri