In einem Monat stimmen wir über die «Service Citoyen»-Initiative ab. Sie will, dass künftig alle jungen Menschen, Frauen wie Männer, einen Dienst für die Allgemeinheit leisten. Ich habe meinen Militär- und später Zivildienst als bereichernde Zeit erlebt: Man lernt Menschen kennen, mit denen man sonst nie am gleichen Tisch sitzen würde, entdeckt neue Gegenden und muss Verantwortung übernehmen. Besonders bequem ist das nicht: Man muss früh aufstehen, kommt in ungewohnte Situationen, muss hart anpacken. Doch genau das stärkt den Zusammenhalt und schärft den Blick für die Bedürfnisse anderer. Deshalb finde ich, sollten alle einen Dienst leisten.
Von den Gegnern der Initiative hört man oft: «Solidarität kann man nicht befehlen.» Doch genau das tun wir seit Jahrzehnten, und es funktioniert.
Die Hälfe der Bevölkerung ist bereits dienstpflichtig. Niemand würde behaupten, Männer seien unsolidarisch, weil sie ihre Dienstpflicht in jungen Jahren erfüllen mussten. Viele engagieren sich später weiter in Vereinen, der Feuerwehr, im Sportclub, der Politik etc. Pflicht kann also durchaus der Anfang von Freiwilligkeit sein.
Und Hand aufs Herz: Unsere ganze Gesellschaft beruht auf erzwungener Solidarität, ja es ist sogar ein tragender Pfeiler eines erfolgreichen Staates. Wir zahlen nämlich Steuern, Sozialabgaben und Krankenkassenprämien, nicht weil wir wollen, sondern weil wir müssen. Und das ist gut so. Als Gemeinschaft tragen wir den Staat und fangen jene auf, die gerade stolpern: Durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder andere Schicksalsschläge.
In einer Zeit, in der Eigeninteressen immer lauter werden als das Gemeinsame, kann ein solcher Dienst wieder zeigen, was es heisst, Teil eines Ganzen zu sein. Die Schweiz lebt seit jeher von Mitmachen statt Zuschauen, vom Engagement statt vom Anspruchsdenken.
Ein allgemeiner Bürger*innendienst würde dieses Fundament stärken und die wachsende Kluft zwischen Stadt/Land, Jung/Alt, Mann/Frau, und den Sprachregionen ein Stück schliessen. Schliesslich würde ein allgemeiner Dienst uns wieder daran erinnern, dass Gemeinschaft kein Selbstläufer ist. Sie entsteht, wenn Menschen sich begegnen, einander verstehen und gemeinsam anpacken.
Lorin Semela, GLP Zug