Bauen statt Blockieren

Bauen statt Blockieren

Die meisten Lösungsvorschläge für das Wohnraumproblem im Kanton Zug sind entweder kontraproduktiv oder nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Tatsache ist, dass viele Menschen in unserem schönen Kanton wohnen möchten – und somit eine hohe Nachfrage nach Wohnraum in Zug besteht. Tatsache ist auch, dass der Ausbau des Angebots stockt; das drückt die Wohnungspreise massiv nach oben. Die einzige Lösung also: mehr bauen!

 

Auf Bundesebene trat 2014 das neue Raumplanungsgesetz in Kraft. Das Ziel war, weniger auf die grüne Wiese zu bauen und stattdessen nach innen zu verdichten. Laut einer neuen Studie von Sotomo weisen 30 Prozent der Schweizer Siedlungsfläche ein Innenentwicklungspotenzial auf – vorwiegend in den Städten und Agglomerationen. Eine Erschliessung von nur 35 Prozent dieser Fläche würde bereits Platz für eine Million zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner und 550’000 Arbeitsplätze schaffen. Wenn die Lösungen auf der Hand liegen, warum wird dann nicht mehr gebaut?

Die Gründe sind bekannt: komplizierte Bauauflagen, langwierige Baubewilligungsverfahren und umfassende Rekursmöglichkeiten. Die dadurch massiv verteuerten Planungsverfahren reissen die Kosten in die Höhe, sodass oftmals dann gar nicht mehr gebaut wird. Ja, es ist gut, dass Rekursmöglichkeiten bestehen – das gehört zu einer Demokratie. Gleichzeitig haben einzelne Personen die Macht, potenziellen Wohnraum für Hunderte Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verhindern. So wie beispielsweise beim Hardturm-Stadion in Zürich: Der geplante Bau würde Wohnraum für 1’500 Menschen bieten, wird aber seit Jahren durch ein paar wenige Leute durch alle Instanzen gezogen und vollkommen blockiert.

Einen möglichen Ausweg aus dieser Blockade zeigt Thomas Held, bis 2010 erster Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse, in einem für den Kanton Zug entwickelten Gedankenexperiment. Die Idee: «Weisse Zonen».

 

Das Konzept ist so simpel wie ungewöhnlich. In demokratisch festgelegten Perimetern werden die meisten Bauvorschriften temporär ausser Kraft gesetzt – und zwar so lange, bis eine vorab definierte Anzahl neuer Wohnungen realisiert ist. Wer innerhalb dieser Zone bauen will wie bisher, kann das. Wer die neuen Freiheiten nutzt und dichter baut, geht dafür einen Deal mit den Betroffenen ein: Nachbarn, Mieterinnen und Anwohner werden direkt an den Mehrwerten beteiligt – durch Zahlungen, Rückkehrrechte in den Neubau oder gemeinsam ausgehandelte Regeln. Die Idee: Wer vom Wegfall der Bauvorschriften profitiert, teilt diesen Gewinn mit jenen, die betroffen sind.

Hätten die Anwohner des Hardturms von Anfang an am Mehrwert des Projekts partizipiert, statt nur dessen Nachteile zu tragen, wäre die Geschichte vielleicht eine andere.

Das Konzept ist kein Allheilmittel und wirft offene Fragen auf. Aber es zeigt eine prüfenswerte Richtung auf, die in der Schweizer Wohnbaupolitik bislang kaum gedacht wurde: Zusammenarbeit statt Stillstand.

 

Alessio Seeberger, Vorstandsmitglied JGLP ZG