Die Wohnungsnot beginnt in den Köpfen

Die Wohnungsnot beginnt in den Köpfen

Die Schweiz erlebt eine Mietenrealität, die der Statistik davonläuft. Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 stiegen die Wohnkosten um 2,4 Prozent, die Teuerung lag im gleichen Zeitraum bei 1,1 Prozent. Familien, Alleinstehende, Rentnerinnen und Studierende ziehen dorthin, wo sie sich ein Dach noch leisten können. Zurück bleiben Quartiere, die ökonomisch homogener werden. Es entsteht eine Topografie des Ausschlusses mit Zonen für Gutverdienende und für jene, die knapp kalkulieren müssen.

 

Politisch reagieren wir vor allem mit Mikromanagement. Ein Fördertopf hier, eine Siedlung dort, vieles gut gemeint, alles mehr oder weniger wirkungslos. Die Stadt ist ein System mit Rückkopplungen. Wenn Angebot und Nachfrage systematisch auseinanderlaufen, helfen Einzelmassnahmen kaum.

 

Das Problem ist kulturell und planerisch. Wir denken in Parzellen und nicht in Räumen. Projektgrenzen werden zu Denkgrenzen. Wo Vorschläge auf den Tisch kommen, die im mitteleuropäischen Vergleich gross sind, ist die Empörung zuverlässig. Viele grossen Ideen bleiben Studien, formal korrekt, praktisch folgenlos. Kommt ein Vorhaben doch in die Projektierung, hagelt es Einsprachen. Jede Runde kostet Zeit und Vertrauen. Am Ende wird das Dossier leise begraben, und gebaut wird nichts.

 

Wenn wir das ändern wollen, müssen wir alle anders denken. Nicht in Zonen und Grenzen, sondern ist grossstädtischen Dimensionen. Ich höre oft: Zug soll nicht Singapur werden. Warum eigentlich nicht? Sensibel-, mit hoher Qualität, geplant und mit echter Mitwirkung, können Hochhäuser die Stadt erheblich bereichern. Wir müssen Wohnraum als Infrastruktur begreifen, vergleichbar mit Bahn und Strom. Infrastruktur wird gebaut, nicht erbeten. Dazu gehört die Bereitschaft, in grösseren Massstäben zu arbeiten, konsequent zu verdichten, schneller zu entscheiden und die Resultate messbar zu machen.

 

Die Konsequenz ist schlicht. Wollen wir sozial durchmischte Städte und bezahlbare Mieten, müssen wir viel und gut bauen. Nicht hektisch, sondern entschlossen. Mit Prioritäten, die den Engpass lösen, und Institutionen, die Verlässlichkeit garantieren. Sonst steigen die Mieten weiter, und das Versprechen der Stadt löst sich leise in Luft auf.

 

 

Patrick Rubach, Mitglied GLP