Zug ist ein erfolgreicher Kanton. Wirtschaftlich ganz vorne mit dabei: innovativ, international, steuergünstig. Doch dieser Erfolg hat auch Schattenseiten. Ich erlebe hier zwei Welten: Auf der einen Seite die alteingesessenen Zugerinnen und Zuger, viele mit Familienbetrieben, tief verwurzelt in der Region. Auf der anderen Seite internationale Konzerne, globale Fachkräfte, Expats. Beide Gruppen leben nebeneinander und doch kaum miteinander. Das funktioniert zwar gut. Und trotzdem entstehen Spannungen. Der Wohnraum wird knapp und teuer. Wer hier aufgewachsen ist, findet kaum mehr eine bezahlbare Wohnung. Wer hier arbeiten möchte, hat es nicht leicht, wenn man nicht perfekt in diese globalisierte Arbeitswelt passt.
Ich zum Beispiel lebe gern hier. Und ich möchte im Kanton Zug arbeiten. Aber oft wirkt der Arbeitsmarkt wie zweigeteilt: entweder sehr konservativ oder sehr international. Wer dazwischen liegt, hat es schwer.
Zug könnte sich leisten, neue Wege zu gehen. Der Kanton hat die Mittel, das Know-how und die Strahlkraft, um voranzugehen: bei Integration, Nachhaltigkeit, Raumplanung. Doch der Eindruck bleibt: Es wird ausgebaut. Verdichtet. Verwertet. Gemeinden wie Zug und Baar wachsen ineinander, grüne Zwischenräume verschwinden.
Dabei hätten wir die Chance, anders zu wirtschaften. Langsamer vielleicht, aber mit Blick fürs Ganze. Für Menschen, die hier leben und arbeiten wollen. Für die Natur, die unser Lebensraum ist. Für Begegnung statt Parallelgesellschaften.
Wer gestaltet diese Entwicklung? Wer übernimmt Verantwortung, dass Zug nicht nur wächst, sondern lebenswert bleibt? Die Politik kann hier viel bewegen. Sie kann Rahmenbedingungen schaffen, die nicht nur der Wirtschaft dienen, sondern auch dem Zusammenhalt. Sie kann Bodenversiegelung bremsen, Begegnungsräume fördern, den Dialog ermöglichen.
Auch Unternehmen, gross wie klein, könnten mehr beitragen: durch lokale Verankerung, durch Lehrstellen, durch Engagement fürs Gemeinwesen. Diese Beispiele gibt es. Aber sie brauchen Sichtbarkeit und Unterstützung.
Denn es geht letztlich um eine Haltung: Bleiben wir eine offene Gesellschaft, die bewusst gestaltet, oder werden wir zu einem Ort, der zwar glänzt, aber von innen austrocknet?
Monia Amacker, Präsidentin GLP Steinhausen