Die Digitalisierung ist längst in unserem Alltag angekommen und macht unser Leben einfacher. Doch die Kette hat noch Lücken: Mein GA habe ich auf dem SBB-App dabei, ich zahle kontaktlos mit Apple Pay oder Twint, und meine Rechnungen erledige ich bequem per E-Banking App. Ich reserviere und öffne das Mobility-Auto mit dem Handy, merke dann aber, dass ich ja gar kein Portemonnaie mit analogem Führerausweis dabeihabe. Kommt der Staat ins Spiel so bricht die Kette der Digitalisierung.
Die Bestellung eines Strafregisterauszugs im Jahr 2025 verdeutlicht diesen Bruch: Formular und Passkopie drucken, beides unterschreiben, per Brief nach Bern senden und warten. In Bern wird mein Brief manuell geprüft, der Auszug erstellt, gestempelt und zurückgesendet. Das ist nicht nur mühsam und langsam, sondern auch teuer.
Es ist offensichtlich: Die Schweiz hinkt bei der offiziellen, sicheren Identifikation im digitalen Raum hinterher. In Estland dauert eine Unternehmensgründung gerade mal 15 Minuten – komplett digital, egal wo die Verwaltungsräte gerade sitzen. Dieses Beispiel zeigt, was alles möglich ist, wenn wir die digitale Transformation konsequent angehen.
Genau hier setzt die E-ID an. Sie ist ein digitaler Ausweis auf dem Handy, der es ermöglicht, uns digital eindeutig und sicher auszuweisen. Die E-ID eröffnet zahlreiche Möglichkeiten:
Ein digitaler Führerausweis auf dem Handy, die papierlose Firmengründung, der digitale Strafregisterauszug in Sekundenschnelle, der online Einkauf von Alkohol und Tabak für Volljährige mit Einhaltung des Jugendschutzes, die Identifikation von Neukunden durch eine Bank oder das rechtsgültige Unterschreiben eines Vertrages. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Und das Beste: Die Nutzung ist freiwillig, kostenlos und datensparsam.
Manche behaupten, physische Unterschriften seien sicherer. Doch ich bin überzeugt, dass das Gegenteil der Fall ist. Bei vielen händisch unterzeichneten Verträgen wird beispielsweise oft nur das Unterschriftenblatt an die Reihe der Unterschreibenden verschickt bzw. unterzeichnet und die anderen Blätter könnten danach böswillig oder aus Versehen ersetzt werden. Die Vertragssicherheit bei physischen Unterschriften ist somit geringer als bei sicheren elektronischen Unterschriften. So kann beispielsweise jeder Kleinkriminelle eine Unterschrift mit einem Stift fälschen. Eine elektronische Identität zu hacken, erfordert jedoch – falls überhaupt möglich – hochspezialisierte Cyberkriminalität und wäre durch die Verwendung von digitalen Zeitstempeln einfach erkennbar. Eine zentralisierte, sichere E-ID-Infrastruktur bedeutet somit einen deutlichen Sicherheitsgewinn.
Nach dem gescheiterten ersten Anlauf – vor allem wegen der Rolle privater Anbieter – liegt nun ein überarbeitetes, politisch breit abgestütztes Konzept vor. Der entscheidende Punkt: Der Staat ist allein für die Ausstellung, die Infrastruktur und die Sperrung der E-ID verantwortlich. Die Privatsphäre ist im Aufbau automatisch integriert, denn die Daten bleiben auf dem eigenen Gerät und werden nur mit ausdrücklicher Zustimmung weitergegeben. Ich behalte so die volle Kontrolle über meine Daten.
Meine Schlussfolgerung ist klar: Die E-ID schafft eine moderne, sichere und vertrauenswürdige Infrastruktur, die uns allen zugutekommt. Sagen wir Ja zur Zukunft und stimmen wir am 28. September 2025 Ja zur Elektronischen Identität!
Tabea Estermann
Kantonsrätin und Präsidentin GLP Kanton Zug