Heute gibt es in der Schweiz zwei Steuersysteme: eines fÞr Einzelpersonen und eines fÞr Ehepaare. Die Ehepaarbesteuerung mag zu Gotthelfs Zeiten sinnvoll gewesen sein, als das mÃĪnnliche Familienoberhaupt ein Einkommen fÞr den ganzen Haushalt erwirtschaften konnte. In der heutigen LebensrealitÃĪt ist dieses Modell jedoch aus der Zeit gefallen â und schlicht unlogisch: Einverdiener-Ehepaare werden steuerlich belohnt und zahlen bei gleichem Einkommen weniger Steuern als unverheiratete Paare. Moderne Ehepaare mit zwei vergleichbaren Einkommen hingegen werden bei der Heirat steuerlich bestraft.
Dabei ist die LÃķsung seit Jahren klar â und am 8. MÃĪrz stimmen wir darÞber ab: die Individualbesteuerung. Gleichbehandlung fÞr alle. Jede erwachsene Person wird unabhÃĪngig vom Zivilstand besteuert. Heiraten ist damit eine Frage des Lebensentwurfs, nicht der Steuern.
Die Mehrheit profitiert
Die Zahlen sind eindeutig: Rund 50% der BevÃķlkerung werden mit der Individualbesteuerung weniger Steuern bezahlen. FÞr 36% bleibt die Belastung unverÃĪndert. Lediglich 14% wÞrden moderat stÃĪrker belastet â hauptsÃĪchlich sehr hohe Einkommen ab rund 400â000 Franken pro Jahr. Wer es genau wissen will, kann die eigene Situation einfach online bei Ecoplan selbst berechnen (ecoplan.ch/aib).
Ein Scheinargument der Ewiggestrigen
VordergrÞndig wird gegen die Individualbesteuerung ins Feld gefÞhrt, sie verursache administrativen Mehraufwand, weil es mehr Steuerdossiers gÃĪbe. Dieses Argument Þberzeugt im digitalen Zeitalter nicht. Warum sind die Gegner nicht ehrlich und sagen, dass sie das konservative Gotthelf-Modell des Einzelverdienerhaushalts fÃķrdern wollen?
Abgesehen vom ersten Umstellungsjahr ist der zusÃĪtzliche Aufwand der Individualbesteuerung minimal. Es mÞssen ja nicht plÃķtzlich mehr HÃĪuser geschÃĪtzt, mehr Wertschriften bewertet oder mehr Bankkonten geprÞft werden â davon gibt es genau gleich viele. In der Software gibt man schlicht zwei statt einer Dossiernummer ein und weist Einkommen und VermÃķgen einmalig zu. Kinderleicht.
Das schafft auch Transparenz innerhalb von Ehepaaren: Wer sich jÃĪhrlich bewusst macht, wem was gehÃķrt, gewinnt eine klare Ãbersicht, die aufzeigt, was eine Trennung oder ein Todesfall finanziell bedeuten. So lassen sich tragische Schicksale durch vorbeugende Massnahmen besser vermeiden. Zudem wird das Steuersystem einfacher: SteuersÃĪtze und AbzÞge gibt es dann nur noch in einfacher AusfÞhrung â statt alles doppelt fÞr Ehepaare und Einzelpersonen.
Arbeit soll sich lohnen
Unsere Steuerpolitik arbeitet seit jeher mit finanziellen Anreizen â weil sie wirken. Die aktuelle Paarbesteuerung bestraft die weniger verdienende Person im Ehepaar â hÃĪufig Frauen â und senkt deren Anreiz, mehr zu arbeiten. Alle Ãķkonomischen Studien kommen darum zum gleichen Schluss: Mit der Individualbesteuerung steigen die Arbeitspensen. Davon profitieren die Sozialwerke, die Altersrenten und letztlich auch die Ãķffentlichen Finanzen. Kurzfristig kÃķnnten bis zu 44â000 zusÃĪtzliche Vollzeitstellen durch InlÃĪnder statt neuer Zuwanderer besetzt werden; langfristig sind die Effekte noch grÃķsser, weil auch Berufs- und Karriereentscheidungen beeinflusst werden. Es ist daher vÃķllig unverstÃĪndlich, wieso sich die Mitte, die Zuger FDP und die SVP so massiv gegen diesen Arbeitsanreiz fÞr InlÃĪnder wehren.
Stellen wir also jetzt die Weichen fÞr die Zukunft: fÞr ein sauberes, zeitgemÃĪsses Steuersystem, in dem sich Arbeit fÞr alle lohnt.
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Tabea Estermann,
KantonsrÃĪtin und PrÃĪsidentin GLP Kanton Zug