Kooperation statt Kanonenkugeln

Kooperation statt Kanonenkugeln

Mythos oder Geschichte? Diese Frage begleitete unseren Fraktionsausflug der GLP Ende Mai an einen der symbolträchtigsten Orte der Schweiz: Am Morgarten. Der Ort steht für Selbstbehauptung, für Eigenständigkeit, und neben dem Rütli wie kaum ein anderer Ort für den Beginn der Schweizer Geschichte. Oft vergessen wird aber, dass diese Orte genauso für den Beginn einer langen Geschichte kluger Bündnispolitik stehen. Die Schweiz war nach dem Rütlischwur und der Schlacht am Morgarten nicht isoliert – im Gegenteil. Die Ursprünge der Schweiz beruhen nicht auf Abschottung, sondern auf pragmatischer Kooperation.

 

Der Mythos Morgarten wird gerne herangezogen, wenn es darum geht, die Schweizer Neutralität und Unabhängigkeit zu beschwören. Begriffe, die viel politisch aufgeladen sind und selten nüchtern reflektiert werden. Doch Mythen sind keine politische Strategie.

 

Gerade der Kanton Zug zeigt, was heute zählt: Offenheit für Talente, für Unternehmen, und für Ideen. Internationale Firmen kommen, weil die Schweiz stabil, verlässlich und gut vernetzt ist. Ohne bilaterale Abkommen mit der EU verlieren wir genau das. Es geht nicht nur um Strom oder Studienplätze, sondern auch um Handlungsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Glaubwürdigkeit.  Während wir uns in der Europapolitik in einer Blockade befinden, wächst der politische Reflex, sich auf die nationale Autonomie zurückzuziehen. Doch was bedeutet Autonomie ohne Zugang? Was bedeutet Neutralität ohne Einfluss?

 

Die bilateralen Abkommen waren und sind dafür ein Erfolgsmodell. Nach den Bilaterialen I und II folgt nun eine notwendige Weiterentwicklung. Kein Bruch, sondern eine Stabilisierung dessen, was sich bewährt hat. Wichtig ist dabei: Es handelt sich nicht um ein umfassendes Rahmenabkommen, sondern um sektorielle Lösungen, ausser dort, wo sie für spezifische Bereiche sinnvoll sind – etwa bei Strom, Lebensmitteln oder Medizinprodukten. Und letztlich ist es ganz einfach: Wer in einem bestimmten Bereich privilegierten Marktzugang will, muss bereit sein, die Spielregeln dieses Bereichs mitzutragen.

 

Morgarten war nicht der Beginn einer Schweiz, die sich abschottet. Es war der Anfang eines politischen Projekts, das auf Vertrauen, Bündnisse und klugen Pragmatismus setzte. Genau diese Einsicht braucht es heute wieder.

 

Klemens Iten, Kantonsrat GLP, Unterägeri