Kreislauf beginnt bei Herstellung

Kreislauf beginnt bei Herstellung

Ich bin neben einer Müllverbrennungsanlage aufgewachsen, kaufe unverpackt im Bioladen, fülle meinen Kaffeebecher und achte auf Labels. Doch Kreislauf beginnt nicht beim Trennen, sondern bei der Herstellung: bei jeder PET-Flasche, jedem Kleid, jedem Smartphone. Ich bin nur ein Tropfen auf heissem Asphalt. Ich kann mir bewussten Konsum leisten, viele andere nicht. Hinter dem Laden quellen die Container über: Plastik, Kleidung, Elektronik. Ohne klare Regeln bleibt persönliches Engagement Randnotiz.

 

Der Kanton setzt einige Zeichen: Seit März verlangt das Submissionsgesetz, dass Umwelt- und Lebenszykluskosten zählen; Recyclingbeton bringt Bonuspunkte. Der Richtplan will bis 2035 ein Drittel Recyclingkies. Die Abfallplanung listet Massnahmen auf, der Regierungsrat verspricht ein Kompetenzzentrum Kreislaufwirtschaft. Klingt alles gut.

 

Doch im Alltag stolpere ich über die Lücke zwischen Absicht und Realität: Der Bioladen füllt mein Glas mit Haferflocken, im Grossverteiler stapeln sich eingeschweisste Bio-Gurken. Der Lieferdienst bringt drei Produkte in drei Taschen. Das Paketband ist aus Plastik, der Karton landet in der Papiersammlung, die Polsterfolie im Restmüll. Hersteller kappen Updates nach zwei Jahren, Ersatzteile fehlen. Bauten werden als Mischschutt entsorgt, ZEBA fischt Metalle aus der Schlacke. Textilsammelstellen ertrinken in Polyester. Pfandsysteme haben Seltenheitswert. Reparaturcafés leben von Idealismus. Der Kreislauf gleicht einem Kreisel: alles dreht, nichts schliesst.

 

Im Jahr 2024 fielen laut ZEBA rund 51’000 Tonnen Abfall an; 57 Prozent wurden stofflich verwertet, der Rest wandert ins Feuer. 43 Prozent landen nach wie vor im Ofen – von einem geschlossenen Kreislauf kann also keine Rede sein.

 

Hier greift die Initiative «Zuger Kreislaufwirtschaft» an. Sie will in der Verfassung verankern, dass der Kanton gesetzlich verpflichtet wird, Kreisläufe zu schliessen. Wie das konkret geschieht, soll der Gesetzgeber in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Gesellschaft festlegen. Zusätzlich fordert sie steuerliche Vorteile für Recyclingmaterialien. Dann wird Nachhaltigkeit von der netten Option zur günstigsten Wahl.

 

Ohne Initiative bleibt Kreislaufwirtschaft Flickwerk guter Absichten. Mit ihr schreiben wir die Spielregeln neu: Wer Ressourcen spart, gewinnt; wer Wegwerfware verkauft, zahlt. Darum unterschreibe ich, damit nachhaltiges Handeln Alltag wird.

 

Monia Amacker

Präsidentin GLP Steinhausen